High Tech im Stall und Frauenpower vom Land

High Tech im Stall und Frauenpower vom Land

Zum achten Mal zeigte sich die RegioAgrar Bayern innovativ und vielfältig.

Rund 12.000 Besucher – überwiegend Bauern, häufig mit der ganzen Familie – kamen zur RegioAgrar Bayern 2018, die vom 06. bis 08. Februar nun schon zum achten Mal in den Messehallen in Augsburg stattfand und am Donnerstagabend um 22.00 Uhr ihre Tore schloss.

IMG_3154 (1024x683)„Diese Fachmesse ist mittlerweile für viele Bäuerinnen und Bauern aus der Region ein Highlight und ein beliebter Treffpunkt. Wichtigste Ursache dieses Erfolges ist der gelungene Mix aus einem breiten Sortiment der 261 Aussteller, einem vielseitigen Rahmenprogramm und der Möglichkeit, sich mit den Ausstellern und Berufskollegen ungezwungen zusammensetzen zu können, um den ein oder anderen Kontakt zu knüpfen. Das hören wir regelmäßig von den Besuchern, vor allem aber von den Ausstellern“, sagte Hans-Dieter Lucas, Geschäftsführer des Messeveranstalters European Green Exhibitions (E.G.E.) GmbH.

Auch der Präsident des BBV-Bezirksverbandes Schwaben Alfred Enderle betonte bei der offiziellen Eröffnungsveranstaltung am Messedienstag, dass sich die Schwabenmetropole Augsburg als Standort der RegioAgrar Bayern etabliert habe. „Wir freuen uns, dass die Bäuerinnen und Bauern die Messe so gut nutzen und annehmen und wir sind uns sicher, dass die Erfolgsgeschichte weiter geht. Denn unsere bayerische Landwirtschaft kann mit Recht selbstbewusst auftreten“, so Alfred Enderle. Über 930.000 Menschen seien allein in der Landwirtschaft und den vor- und nachgelagerten Bereichen tätig. Das mache dreizehn Prozent aller Erwerbstätigen in Bayern aus.

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Als ideeller Träger der RegioAgrar Bayern hatte sich der Bayerische Bauernverband in diesem Jahr eine besondere Überraschung zur Eröffnung der Landwirtschaftsmesse einfallen lassen. Unter dem Motto: „Einheit und Vielfalt – ein gutes Miteinander“ präsentierten die Bodenseer Apfelprinzessin, die Deutsche Zuckerrübenkönigin, die Bayerische Honigkönigin, die Bayerische Kartoffelkönigin, die Bayerische Waldprinzessin, die Bayerische Milchkönigin und die Schrobenhausener Spargelkönigin auf charmante Weise die landwirtschaftliche Vielfalt Bayerns.

 

 

Der digitale Landwirtschaftsbetrieb

Auf einer Ausstellungsfläche von über 6.000 Quadratmeter, erstmals verteilt in drei Messehallen, präsentierten sich die regionalen und überregionalen Aussteller mit einer eindrucksvollen Anzahl großer Landmaschinen, mit Produkten und Dienstleistungen aus der Tierzucht und Haltung, mit einer enormen Auswahl an prozessautomatisierter Stalltechnik und mit Informationstechnologien, die sich sinnvoll in den eigenen Landwirtschaftsbetrieb integrieren lassen. Auffällig war in diesem Jahr die Anzahl von Startup-Unternehmen mit innovativen Problemlösungen. Das Augsburger Unternehmen CattleData GmbH, das aus einem Forschungsprojekt an der Ludwig-Maximilians-Universität München entstand, zeigte ein Verfahren zur automatisierten Brunsterkennung 4.0, das sich grundlegend von den bekannten Methoden unterscheidet. „ Mit Hilfe kleiner wartungsfreier Transponder, die in den Ohrmarken eingebaut sind, bieten wir ein völlig neues und hocheffektives Verfahren zur automatisierten Fruchtbarkeits- und Gesundheitsanalyse beim Rind. Und das in Echtzeit“, erklärte Tierarzt Dr. Oliver Dietrich, der die Situation der Landwirte aus der Praxis kennt. Die Nachrichten können über beliebige Endgeräte (Tablet, Smartphone, etc.) eingesehen werden, egal wo sich der Landwirt gerade befindet.

IMG_3248 (1024x683)Dass die Digitalisierungsfortschritte schon längst in der Landwirtschaft angekommen sind, demonstrierten zahlreiche Hersteller auf eindrucksvolle Weise. Einstreuroboter zur Stroh- und Raufuttergabe, automatisierte Stallvorhänge und Belüftungssysteme für ein perfektes Stallklima oder automatische Melksysteme um die Abläufe bei der täglichen Arbeit im Stall zu optimieren, stießen bei den Messebesuchern auf großes Interesse.

 

 

 

Tradition und Fortschritt

Der revolutionäre Wandel in der Landwirtschaft war auch ein zentrales Thema beim „Landfrauendialog“ am Messemittwoch, der sich zum Jubiläum „70 Jahre Landfrauen im BBV“ mit den Veränderungen der Landwirtschaft im Laufe der Jahrzehnte auseinandersetzte und die zunehmend kontroversen gesellschaftlichen Debatten in den Fokus nahm. Schwabens Kreisbäuerinnen aus den zehn Landkreisen IMG_3182 (1024x683)demonstrierten auf beeindruckende Weise, wie wichtig der Dialog mit den Verbrauchern sei. „Wir Landfrauen sind engagiert, modern und aktiv und sehr gerne Bäuerinnen“, so Christiane Ade, Schwabens Bezirksbäuerin, die vor Jahren ihr Medizinstudium an den Nagel hängte, um mit ihrem Mann den Landwirtschaftsbetrieb in Gerlenhofen zu bewirtschaften. „Unsere bayerische Landwirtschaft arbeitet nachhaltig, weil wir mit unserer Heimat verbunden sind. Deshalb wünsche ich mir, dass auch die Gesellschaft wieder stolz auf die Landwirtschaft ist. Wir brauchen wieder ein Wir-Gefühl.“

Kompetenter Förderer und Fürsprecher der bayerischen Landwirte ist seit 2016 der Verein „Unsere Bayerischen Bauern“, der die Wertschätzung und Akzeptanz der Verbraucher für die bayerische Erzeugung verbessern will. Die Geschäftsführerin Eva-Maria Haas präsentierte die Imagekampagne „Für alle nah“, die auf der Website, auf eigenen Social-Media-Kanälen und flankierend mit Radiospots, Onlinewerbung, Reportagen, Pressearbeit und Plakatwerbung die tägliche Arbeit der bayerischen Landwirte realistisch und sympathisch in den Mittelpunkt stellt. „Der Verein Unsere Bayerischen Bauern gibt der regionalen Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei ein Gesicht und möchte ein kompetenter Ansprechpartner in allen Verbraucherfragen rund um die bayerischen Erzeuger und ihre Produkte sein“, betonte Eva-Maria Haas.

Wertschätzung schafft Wertschöpfung

Der große Andrang an den Messeständen aus dem Bereich der mobilen Hühnerhaltung machte den Wunsch vieler Landwirte nach mehr Wertschätzung ihrer Erzeugnisse deutlich. Denn Mobilställe für die Freilandhaltung von Legehennen und Masthähnchen sind im Trend. IMG_3243 (1024x683)Artgerecht, umwelt- und verbraucherfreundlich gibt es die Hühnermobile in zahlreichen Varianten. „Die Verbraucher freuen sich, wenn sie die Hühner beobachten können und wenn sie sehen, dass es den Tieren gut geht. Dafür zahlen sie auch gerne etwas mehr Geld“, stellte Ursula Einzmann von der Firma Stallbau Weiland aus Bad Sooden fest. „Ein Mobilstall macht vielleicht mehr Arbeit, aber mit einem anständigen Eierpreis rechnet sich das für den Landwirt in der Direktvermarktung allemal.“

 

 

„Regionalität liegt voll im Trend. Wir müssen alles daran setzen, unsere Erzeugnisse und deren Herkunft unverwechselbarer zu machen“, so auch Stephan Treitinger von der Mangfalltaler Jungbullen Erzeugergemeinschaft (MJB). Erstmals zeigte die Gemeinschaft vom Kreuzhauser IMG_3251 (1024x683)Hof in Kirchheim bei München Simmentaler Fleckvieh Fresser auf der RegioAgrar Bayern, um den Bekanntheitsgrad dieser Qualitätsrinder zu erhöhen und den direkten Kontakt zu potenziellen Bullenmästern aus der Region zu suchen.

Intensiver fachlicher Austausch

Das Fachforum, das alljährlich im Rahmen der RegioAgrar Bayern als zusätzliche Informations- und Kommunikationsplattform dient, war auch in diesem Jahr wieder stark frequentiert. Ausgesuchte Referenten präsentierten im „Großen Forum“, Halle 3 und im „Kleinen Forum“, Halle 1 die volle Packung Information zu Neuentwicklungen in der Produktionstechnik und Nutztierhaltung, zu aktuellen Themen aus der Agrarpolitik und zu rechtlichen, betriebswirtschaftlichen und steuerlichen Themen. „Denn nicht nur auf dem Acker und im Stall gibt es für die Landwirte ständig Veränderungen, sondern auch am Schreibtisch. Deshalb heißt es für die Bauern: flexibel bleiben und sich auf die zahlreichen neuen Regelungen einstellen“, so Hans-Dieter Lucas, Geschäftsführer des Messeveranstalters. Hilfestellung leisteten auch diesmal wieder die Experten des Bayerischen Bauernverbandes, die den Forumsteilnehmern mit ihren Vorträgen eine praxisnahe und effiziente Unterstützung gaben.

Auch im nächsten Jahr öffnet die RegioAgrar Bayern wieder ihre Tore. Und das bereits zum neunten Mal. Vom 19. bis 21. Februar 2019 heißt es dann in den Messehallen in Augsburg erneut: „Voraus denken. Dabei Sein.“